Aus der Suizidforschung: Papageno - viel mehr als nur ein Vogelfänger!

 

Prof. Dr. Thomas Niederkrotenthaler von der MedUni Wien gilt als ein renommierter Suizidologe mit weltweiter Bekanntheit im Bereich Medien und Suizid. Sein Schwerpunkt liegt in der Forschung im Bereich der Suizidprävention. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist der sogenannte Papageno-Effekt, den er maßgeblich mitgeprägt hat. Wie wurde dieser Begriff »erfunden« und wie wird man eigentlich Suizidologe?

 

Mir hat er ein ausführliches Interview gegeben und ich stelle Euch heute diesen spannenden Menschen vor.

Sie sind einer der führenden Suizidologen. Was macht ein Suizidologe genau?

 

Der Begriff Suizidologe klingt zunächst so, als mache man etwas ganz eng Umschriebenes, aber das ist es gar nicht. Die Suizidologie, also das wissenschaftliche Gebiet der Suizidforschung, wird von einer Vielzahl von Wissenschaftsfeldern tangiert und ganz unterschiedliche Berufsgruppen arbeiten daran, seien es Mediziner, Psychologen, Soziologen, Biologen, Theologen, Juristen oder auch Philosophen. Es ist ein sehr breites Feld.

 

Als Mediziner beschäftige ich mich mit der Frage, wie man Suizide verhüten kann und welche Maßnahmen dazu beitragen können, die Zahlen zu senken. Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf der medialen Darstellung. Welche Risikofaktoren und Schutzfaktoren gibt es? Was können wir künftig in der Berichterstattung verbessern? Und das ist das Spannende an meiner Arbeit, weil ich mich mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen austausche und dadurch andere Perspektiven kennenlerne, die in meine Arbeit einfließen.

Bild-Quelle & Freigabe: Nelsons (Wien)

 

  

Wie sind Sie in den speziellen Bereich der Suizidforschung gekommen?

 

Schon als Kind hat mich die Frage beschäftigt, welche Faktoren auf das Wohlbefinden eines Menschen Einfluss nehmen können. Wenn es jemandem schlecht geht, was sind die Ursachen und wie kann man diesem Menschen helfen? Ich habe dann Medizin studiert und dabei auch einiges über Suizidprävention gelernt. Ein weiterer wichtiger Baustein auf diesem Weg war, dass ich einen wichtigen Menschen aus meinem persönlichen Umfeld durch Suizid verloren habe.

 

Dass sich mein Schaffen speziell in die Richtung der Suizidforschung entwickelte, hat auch mit meinem Doktorvater Prof. Dr. Gernot Sonneck zu tun, an den ich mich für das Thema meiner Promotionsarbeit an der medizinischen Fakultät der Universität Wien (heute die MedUni Wien), gewandt habe. Prof. Sonneck, selbst ein Schüler des renommierten Psychiaters, Neurologen und Suizidforschers Erwin Ringel, war seit langem in der Suizidforschung tätig und arbeitete auch für die von Ringel gegründete International Association for Suicide Prevention (IASP).

 

Sonneck hatte 1983 begonnen, über die steigende Anzahl der Suizide und Suizidversuche in der Wiener U-Bahn zu forschen. Seine Studie förderte zutage, dass es einen Zusammenhang zwischen der oft reißerischen Berichterstattung in der Presse und den Suizidzahlen gab. Dieser sogenannte Nachahmer- oder Imitationseffekt wird als Werther-Effekt bezeichnet, benannt nach Goethes Romanfigur »Die Leiden des jungen Werther«.

Daraufhin wurden Richtlinien entwickelt, dass die Berichte über Suizide in der Wiener U-Bahn künftig zurückhaltender gestaltet werden sollten. Als diese Empfehlungen Mitte 1987 umgesetzt wurden, nahm die Zahl der Selbsttötungen schlagartig um 80% ab. Ein bahnbrechender Erfolg!

 

Durch die Studie von Prof. Sonneck gab es ein Indiz, dass es möglich ist, die Zahl der Suizide durch geänderte Berichterstattung zu reduzieren. Er schlug mir für meine Abschlussarbeit vor, weiter auf diesem Gebiet zu forschen.

Meine Forschung hat dann einerseits bestätigt, dass es einen Werther-Effekt gibt, nämlich dann, wenn sensationsträchtig über Suizide berichtet wird und insbesondere, wenn falsche Mythen über Suizid verbreitet werden, aber sie hat auch gezeigt, dass eine bestimmte Medienberichterstattung über Suizid eventuell sogar das Gegenteil bewirken kann, nämlich Suizide reduzieren. Immer dann, wenn in den analysierten Berichten Möglichkeiten der Überwindungen von Krisen aufgezeigt und konkrete Hilfsangebote erwähnt wurden, oder Menschen von ihren Erfahrungen berichtet hatten, wie sie Auswege aus schwierigen Lebenssituationen gefunden haben, war das von einem Rückgang der Suizidzahlen begleitet. Und in dieser Art der Berichterstattung sehen wir ein großes Potential für die Präventionsarbeit. Diesen Effekt der medialen Berichterstattung haben wir »Papageno-Effekt« genannt. Wir haben ihn seither auch in mehreren anderen Studien gezeigt. 

Sie gelten als Namensgeber des Papageno-Effektes? Wie sind Sie auf diesen Begriff gekommen?

 

Papageno ist die Figur des Vogelfängers aus Mozarts Zauberflöte. Er will sich aus Liebeskummer erhängen, wird aber von den »Drei Knaben« davon abgehalten, weil sie ihn auf seine Alternativen zur Selbsttötung hinweisen. Diese »Drei Knaben« leisten sehr gute Präventionsarbeit!

Der vorhin erwähnte Prof. Ringel war ein großer Liebhaber von Opern. Er hat unter anderem ein Buch mit dem Titel »Unbewusst, höchste Lust« darüber geschrieben, in dem er verschiedene Opern aus tiefenpsychologischer Sicht analysierte. Nachdem meine Studie erstmals einen Hinweis ergab, dass es durch eine bestimme Art der Berichterstattung eventuell einen suizidprotektiven Effekt gibt, wollten wir das Ergebnis unter die Leute bringen und suchten nach einem bezeichnenden Namen. Mein Doktorvater brachte Ringels Vorliebe für Opern ins Spiel und meinte, dass wir vielleicht unter den verschiedenen Opern einen treffenden Namen finden könnten.

 

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit Kollegen zusammensaß und wir verschiedene Opern studierten. Der oben geschilderte Fall des Papageno, also die Darstellung einer Suizidverhütung, brachte uns den Namen Papageno näher und als ich den Text der Zauberflöte gelesen hatte, erschien mir der Name »Papageno-Effekt« absolut stimmig! Ich möchte aber betonen, dass ich die Schöpfung des Begriffs als Teamleistung betrachte.

 

Bild-Quelle & Freigabe: Von Printer Ignaz Alberti - From nl-wiki., Gemeinfrei

 

 

Was können Medien Ihrer Meinung nach konkret für den Papageno-Effekt tun?

 

Medien können sehr viel tun und einen großen Beitrag zur Verhütung von Suiziden leisten. Wichtig ist das Aufzeigen von Möglichkeiten, was man in einer Krise konkret tun kann. Vor allem: Alternativen zum Suizidmachen aufzeigen! Es geht aber auch um die Menschen, die unter einem Verlust eines Menschen durch Suizid leiden, und darum aufzuzeigen, wie sie damit umgehen können.

 

 

Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass der Papageno-Effekt eher eine geringe Rolle in den Medien spielt, stimmt das?

 

Das muss man medienspezifisch betrachten. In der Ratgeberliteratur zum Beispiel spielt der Papageno-Effekt eine große Rolle. Betrachtet man hingegen die traditionellen Nachrichtenmedien, sieht es natürlich etwas anders aus. Der Begriff Werther-Effekt ist ja gerade im Zusammenhang mit den Nachrichtenmedien entstanden. Das hängt damit zusammen, dass bezogen auf den Suizid eine Katastrophe oft berichtenswerter erscheint als eine verhütete. Es gilt auch zu bedenken, dass der Werther-Effekt, auch in seiner Begrifflichkeit, seit den 70er-Jahren geprägt ist und es dazu über 120 wissenschaftliche Studien gibt. Den Begriff Papageno-Effekt gibt es jetzt seit rund zehn Jahren und dazu existieren bisher nur eine Handvoll Studien.

 

Klassische Medien bieten aufgrund begrenzter Sendezeit und limitierter Artikellängen zudem seltener den Raum, darüber ausführlich zu berichten, was den Papageno-Effekt eigentlich ausmacht, also die Verhütung von Suizid.

 

 

Wie sieht eine gute mediale Präventionsarbeit Ihrer Meinung nach aus?

 

Das Wichtigste ist, und das betone ich immer wieder: Papageno fängt im Kleinen an! Zunächst einmal geht es um den Menschen. Wenn man in einem privaten Kreis den Eindruck hat, sein Gegenüber hat Suizidgedanken, dann muss man das konkret ansprechen und nachfragen. Denn nur wenn man fragt, kann man überhaupt Kenntnis davon haben und gemeinsam überlegen, was man tun kann, welche Alternativen es zum Suizid gibt und professionelle Hilfe ins Boot holen, das ist sehr wichtig.

Und hier setzt die Rolle der Medien an. Die Menschen müssen über die Alternativen informiert werden, darüber wo sie Hilfen erhalten können, und wie andere mit schwierigen Lebenssituationen umgegangen sind oder umgehen. Wenn Medien auch Geschichten von überwundenen Lebenskrisen aufgreifen und verbreiten, leisten sie einen enorm wichtigen Beitrag.

 

Wenn in den Zeitungen über Suizidfälle berichtet wird, meist prominente Persönlichkeiten, wird am Ende die Hotline einer Hilfsorganisation genannt. Ist das Ihrer Meinung nach ausreichend?

 

Es geht bei Suizid nicht um die Frage »berichten oder nicht berichten«, sondern um das »Wie«. Man kann durchaus über Prominenten-Suizid berichten, ohne einen Werther-Effekt befürchten zu müssen. Erwähnt man beispielsweise Hilfsangebote oder erwähnt Alternativen, fokussiert man auch auf das Leben der verstorbenen Person und nicht nur auf den Tod bzw. die Suizidmethode, wird schon Gutes geleistet und dem Papageno-Effekt Rechnung getragen.

 

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Unsere Forschung legt nahe, dass es sehr stark vom Gesamtbeitrag abhängt, ob es zu einem schädlichen Effekt kommt oder nicht. Nur das Nennen einer Hilfseinrichtung in einem ansonsten sehr sensationsträchtigen Artikel reicht da wohl nicht immer aus, um einen schädlichen Effekt zu verhindern. Aber Vorsicht! Es ist dennoch wichtig, Hilfseinrichtungen zu nennen, denn viele Menschen wissen nicht, dass es derartige Hilfsmöglichkeiten gibt.

 

Wird den Hilfen zu wenig Raum gegeben, oder nur die Telefonnummer genannt, kann schon manchmal der Eindruck entstehen, dass man sich bei dem Bericht schnell noch einen seriösen Anstrich geben will, oder sich weitergehender Verantwortung nicht bewusst ist. Aber es ist in jedem Fall begrüßenswert, wenn Medien Hilfsangebote und Telefonnummern überhaupt erwähnen. Die berichteten Kontakte sollten unbedingt zutreffend sein, also keine falschen oder veralteten Telefonnummern oder Adressen.

 

  

Müssen die Schulungen für Medienschaffende demnach verbessert werden?

 

Ganz wichtig ist, in dem Bemühen nicht nachzulassen. Es reicht nicht aus, das Thema nur einmal zur Sprache zu bringen. Es wachsen ständig neue Journalisten-Generationen nach und wir müssen permanent daran arbeiten. Wir haben in Österreich allgemein gute Erfahrungen mit den Medien gemacht und ihrer Bereitschaft, den Werther- und Papageno-Effekt zu berücksichtigen. MedienvertreterInnen arbeiten heute auch bei der Erstellung der Medienempfehlungen mit, das hilft sehr, um die Empfehlungen bedürfnisgerechter zu machen und zu verbreiten. Es gibt aber leider auch vereinzelt Medien, die sich so verhalten als ob sie das alles nichts angeht, denen die Auflagen- oder Klickzahlen wichtiger sind; bei uns zum Glück nur ein kleiner Teil. In anderen Ländern sieht es damit, wie ich höre, bedeutend schlechter aus. Wichtig ist ein kontinuierliches, früh ansetzendes Training, und es geht nicht nur um die Verhütung des Werther-Effektes, sondern auch um einen aktiven Beitrag zur Suizidprävention, den Papageno Effekt.

 

 

In welche Richtung wird sich die Suizidforschung entwickeln?

 

In diesem Bereich gibt es noch sehr viel zu tun. Ich konzentriere mich auf den medialen Bereich. Es gilt herauszufinden, wie die Berichterstattung für Personen genau wirkt. Wir müssen ein besseres Verständnis bekommen, welche Bedürfnisse unterschiedliche Menschen in gewissen Situationen haben. Wir erforschen die Vermittlung von Hilfsangeboten und deren Wirkungsweisen in soziologischer Hinsicht (bspw. Alter, Bildungsgrad), um dann medial-spezifisch die richtigen Angebote zu machen.

Die meisten Interaktionen zum Thema Suizid geschehen heutzutage in den sozialen Medien (also eher im privaten Bereich). Diese neuen Medien bieten für die Suizidprävention enorme Potentiale, aber wir müssen zunächst einmal darüber forschen, auf welchen Kanälen Präventionsangebote in welcher Weise funktionieren.

 

Ein weiterer Bereich meiner Arbeit ist der technische Bereich. Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt in den Online-Medien Suizidalität zu erkennen, oder auf eine akute Suizidgefahr reagieren zu können?

Apropos über Suizid sprechen, wie beurteilen Sie den enormen Erfolg der Netflix-Serie »Tote Mädchen lügen nicht«?

 

Den Erfolg sehe ich kritisch und ich kann die Serie nicht als Aufklärungsmaterial oder einen gelungenen Beitrag zur Suizidprävention empfehlen. Gelungen sind zwar die Darstellung der Hilflosigkeit des Umfeldes und die Betroffenheit der Mutter von Hannah Baker. Aber die extreme explizite Darstellung des Suizids am Ende der Serie sehe ich sehr kritisch. Um auf den Papageno-Effekt zurückzukommen, geht es um die Darstellung des »Wie«.

 

Mit einem enormen Budget wird 13 Folgen lang die Unfähigkeit der Umstehenden gezeigt, aber niemand stellt sich den Suizidabsichten von Hannah auch nur einmal wirkungsvoll entgegen. Nicht ein einziges Mal wird auf gangbare Alternativen eingegangen. Zwar gibt es am Ende ein »making of«, in dem die Produzenten und Schauspieler aufklären, aber ich befürchte, dass das zu spät kommt, denn zuvor ist 13 Folgen lang der Eindruck durchgesickert, dass man keine Möglichkeit außer Suizid hat, wenn man in einer schwierigen Lebenssituation ist.

 

Zwar hat die Serie eine Diskussion zum Thema Suizid und Prävention ausgelöst, aber die Schwierigkeit ist ja gerade, dass die gefährdeten Jugendlichen sich eben oft nicht an der Diskussion beteiligen und durch die Serie weiter gefährdet werden können. Erste anekdotische Berichte aus Kliniken unterstreichen diese Befürchtung. Über die Serie in Familien, Schulen etc. zu sprechen ist sehr wichtig, um mögliche negative Effekte zu verhindern. Wir haben dazu auch eine Broschüre zum Umgang mit der Serie in Schulen entwickelt:

Broschüre 

In meiner 60-teiligen YouTube-Serie »Komm, lieber Tod« spreche ich sehr konkret über meinen Suizidversuch. Ich habe aber gerade von Betroffenen zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen, die in Richtung des Papageno-Effektes deuten. Was habe ich dann anders oder vielleicht besser gemacht als in der Netflix-Serie?

 

Der Charakter Hannah Baker ist meiner Meinung nach trügerisch »makellos«, auch im psychologischen Sinn, dargestellt. Suizidalität stellt man sich anders vor. Suizidale Menschen sind eigentlich in ihrer Lage oft nicht fähig, derart klar in ihren Gedanken zu sein und den Suizid so reflektiert zu bewerten. Daher sehe ich die Darstellung sehr kritisch. Die Netflix-Serie war auf einen kommerziellen Erfolg hin ausgerichtet, Prävention und die Vermittlung von Verständnis hingegen war kein Fokus. Für derartige Themen sollte der kommerzielle Erfolg nicht derart im Vordergrund stehen, das kann gerade jene gefährden, die in einer besonders schweren Situation sind.

 

Bei »Komm, lieber Tod« steht das Kommerzielle nicht im Vordergrund, und es geht um eine — Ihre — authentische Geschichte, in der Sie die Vielschichtigkeit des Themas Suizidalität an vielen Stellen aufzeigen. Ich möchte Ihnen zur Ihrer Arbeit und der Art und Weise, wie Sie es rübergebracht haben, gratulieren. Natürlich kann es kritisch sein, wenn man nur eine, oder die eine Folge betrachtet, in der es um die Methode geht. Da gilt es darüber mit anderen zu sprechen und sich ggf. Hilfe zu holen, wenn das überfordert. Aber nochmals: Es geht bei Erzählungen über den Umgang mit Suizidalität nicht darum, die Suizidmethode zu verschweigen; vielmehr deuten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass es auf die Gesamtbetrachtung ankommt. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu Ihrer Serie legen nahe, dass Sie es geschafft haben, einigen Menschen einen positiven Schub in die Richtung zu geben, dass man selbst eine Stimme findet, um darüber zu sprechen, zum Telefonhörer zu greifen und sich Hilfe zu suchen, oder aber auch das Umfeld für das Thema zu sensibilisieren.

 

Das ist der Papageno-Effekt!

 

  

Lieber Prof. Dr. Niederkrotenthaler, ich danke Ihnen herzlich, dass Sie sich für dieses Interview so viel Zeit genommen haben, uns die wichtigen Aspekte des Papageno-Effektes zu erläutern. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute! 

Wenn Ihr Suizidgedanken habt, Euch um jemanden sorgt, oder jemanden durch Suizid verloren habt, findet Ihr Hilfseinrichtungen und Informationen auf folgenden Seiten:

 

Deutschland

 

Telefonseelsorge

www.suizidprophylaxe.de

u25-Deutschland (Jugendliche)

AGUS Selbsthilfe (Suizidtrauernde)

 

Österreich

 

Telefonseelsorge.at

www.suizid-praevention.gv.at

bittelebe.at (Jugendliche)

  

Schweiz

  

www.suizidpraevention-zh.ch

Telefon 143 - Die dargebotene Hand

Vortrag Bayreuth 17.05.2018 - Evangelisches Bildungswerk

Komm lieber Tod - Streifzüge durch ein Leben mit Todessehnsucht - Vortrag

 

 

"Komm lieber Tod" ist eine YouTube-Serie, das das Überstehen suizidalen depressiven Krisen beschreibt. Kann das öffentliche Beschreiben von Krisen ein hilfreiches Modell für Betroffene sein?

 

Seit vielen Jahren ist in der Literatur der sogenannten Nachahmer-Effekt (auch genannt Werther-Effekt) bekannt, der besagt, dass labile Menschen durch bildhafte oder textliche Darstellung zum Suizid angetrieben oder verleitet werden können.

Dem schädlichen Einfluss steht ein positiver Effekt gegenüber, genannt Papageno-Effekt (benannt nach der Figur des Vogelfängers aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte"). Kurz zusammengefasst sollen Darstellungen und Berichte von Menschen, die eine suizidale Krise überwunden haben, einen "suizidprotektiven" Charakter haben, sich also positiv auf Leute mit Suizidgedanken auswirken.

 

Wir erleben Video-Sequenzen aus der Reihe "Komm lieber Tod", die wir anschließend mit dem Protagonisten Stefan Lange und Prof. Wolfersdorf diskutieren werden.

 

Referenten:        Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wolfersdorf, Hollfeld, Stefan Lange, Autor

Kosten:               Eintritt frei, Spenden erwünscht

Kooperation:      Initiative "Gemeinsam gegen Depression" Bayreuth

Soziale Medien und Suizidprävention? Vortrag beim WPA-Kongress in Berlin

Auf dem Weltkongress der Psychiatrie der WPA (World Psychiatric Association) in Berlin trafen sich über 10.000 Fachleute aus aller Welt, um die neuesten wissenschaftlichen Methoden und Trends zu diskutieren. Es gab Vorlesungen, Fachvorträge und spezielle Veranstaltungen. Ich konnte einen Vortrag und eine Lesung aus meinem Buch SUICIDE beisteuern.

Unser Fachvortrag "Social Media and Suicide Prevention" war einer davon. Knapp 300 Zuhörer und Zuhörerinnen lauschten unserem Beitrag, ein Mix aus einer YouTube-Videovorführung (6 Episoden aus "Komm, lieber Tod") und einer anschließenden Diskussion - im Bild vlnr: Prof. Manfred Wolfersdorfer (chair), Paul Lücke (Produzent) und ich. 

Die Frage, die es zu diskutieren galt, lautete: "Wie viel Entertainment verträgt das Tabu-Thema Suizid?" Angesichts des großen Erfolges der Netfilx-Serie "Tote Mädchen lügen nicht", in der episodenhaft der Selbstmord einer Highschool-Schülerin dargestellt wird, und der Warnungen der Experten vor dem Konsum der Serie, traf unser Vorschlag den Nerv der Zeit. 

Es gibt den sogenannten Nachahmer-Effekt (auch genannt Werther-Effekt), der besagt, dass labile Menschen durch bildhafte oder textliche Darstellung zum Selbstmord angetrieben oder verleitet werden können. Dieses Phänomen ist mehrfach empirisch eindeutig nachgewiesen worden. 
Dem schädlichen Einfluss steht ein positiver Effekt gegenüber, genannt Papageno-Effekt (benannt nach der Figur des Vogelfängers aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte"). Kurz zusammengefasst sollen Darstellungen und Berichte von Menschen, die eine suizidale Krise überwunden haben, einen "suizidprotektiven" Charakter haben, sich also positiv auf Leute mit Suizidgedanken auswirken. Solche Berichte können animieren, den letzten Schritt nicht zu wagen und sich Hilfe zu holen.

Was ist aber der richtige Weg für eine mediale Darstellung? Soll man den Richtlinien für die mediale Berichterstattung folgen und alles unter den Tisch kehren, bloß nicht zu viel sagen und wagen? Oder ist eine offensive, ehrliche und authentische Darstellung, wie in unserer YouTube-Serie "Komm lieber Tod", der richtige Weg?

Wir leben in Zeitalter des Internets und der sozialen Netzwerke. Menschen können sich ungehindert austauschen und sie schaffen sich abseits der klassischen Informationsträger wie TV, Presse und Rundfunk, ihre eigenen medialen Realitäten. Der Grat zwischen Werther-Effekt und Papageno-Effekt ist schmal. Es gibt keine eindeutige Lösung für das Problem, über Selbstmord angemessen zu berichten.

 

Wenn ich aber den zahlreichen und überwältigend positiven Rückmeldungen unserer Zuschauer trauen darf (siehe Download auf der Frontpage dieser Seite) und dem Urteil eines Zuschauers unseres Vortrages, dann bin ich überzeugt davon, dass wir mit dem Projekt "Komm lieber Tod" einen wirklichen Beitrag für die Entstigmatisierung des Themas geleistet haben, das sich "auf der Höhe der Zeit befindet." 

Wenn tote Mädchen lügen ...

Weltweit warnen die Experten vor dem Konsum der Netflix-Serie »Tote Mädchen lügen nicht«. Die zu explizite Darstellung des Selbstmordes der Protagonistin Hannah könnte vor allem junge Menschen zu Nachahmungstaten animieren. 
Es wird eine stärkere Kontrolle bei der medialen Berichterstattung zum Thema Suizid gefordert. Meines Erachtens ist das nicht der richtige Weg. 

Warum, das ist in diesem Blog-Beitrag nachzulesen: Tote Mädchen lügen nicht - oder vielleicht doch? 

Guido Verstegen schuf mit der ansprechenden Inszenierung des Romans höchst realistisches Volkstheater.

Ich hatte erneut das Glück, das Theaterstück »Drei Monate und ein Tag« von der Lichtbühne München zu sehen. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, als Zuschauer einen Teil meines Lebens auf einer Theaterbühne zu sehen. Das Bühenstück ist sehr dicht an meiner Buchvorlage SUICIDE angelehnt. Ich bin beeindruckt!

Beeindruckend ist auch die Theaterkritik von C.M. Meier von Theaterkritiken München.

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